Implantat der Netzhautprothese bringt Sehfähigkeit zurück, Hoffnung für Patienten mit Morbus Stargardt
14. Juli 2016

Lausanne (Schweiz), 14. Juli 2016 – Am Careggi Universitätsklinikum in Florenz erhielt eine Morbus Stargardt-Patientin am 23. Juni weltweit zum ersten Mal ein epiretinales Implantat vom Typ Argus® II. Das Netzhautimplantat könnte damit in Zukunft auch Stargardt-Patienten, die durch die seltene degenerative Netzhauterkrankung ihr Augenlicht verloren haben, eine wirksame Behandlungsoption bieten.

Durchgeführt wurde die erfolgreiche Implantation in Florenz vom Team um Professor Stanislao Rizzo, einem der Pioniere bei der Nutzung des Argus II-Systems, das er vor vier Jahren in Italien einführte. Die 67-jährige Lucia ist bereits die 27. Patientin, der Prof. Rizzo eine Netzhautprothese implantierte. Die Ergebnisse sind ausgezeichnet. „Bei Lucia ist die Krankheit bereits weit fortgeschritten. Sie hat kein peripheres oder zentrales Gesichtsfeld mehr. Argus II kann ihr helfen, einen Seheindruck zurückzugewinnen. Ich erwarte bei Lucia sogar noch bessere funktionelle Ergebnisse als bei Patienten mit Retinitis pigmentosa, da bei Morbus Stargardt die äußeren Netzhautschichten besser erhalten sind“, so Prof. Rizzo. Die Patientin betont: „Mit 8 Jahren nahm mein Sehvermögen so stark ab, dass ich nicht mehr lesen konnte, was bis dahin meine Leidenschaft gewesen war. Mit der Netzhautprothese möchte ich nun bald eine größere persönliche Unabhängigkeit zurückerlangen. Vor allem möchte ich keine Angst mehr vor der Dunkelheit haben, die mich umgibt.“

Wie Retinitis pigmentosa ist Morbus Stargardt eine seltene degenerative Erkrankung der Netzhaut.

Sie ist erblich bedingt und tritt mit einer Häufigkeit von 1:10.000 auf. Morbus Stargardt wurde vom deutschen Augenarzt Karl Stargardt zum ersten Mal 1909 an der Augenklinik der Universität Bonn beschrieben. Auch heute noch gibt es gegen die seltene Erkrankung keine ursächliche Therapie, mit der sich die Symptome aufhalten oder gar umkehren lassen. Mit Argus II steht diesen Patienten nun zum ersten Mal eine Therapieoption zur Verfügung, mit der völlig blinde Patienten wieder einen Seheindruck erhalten können.

Das epiretinale Implantat Argus II – entworfen, entwickelt und vermarktet von Second Sight Medical Products Inc. – wurde weltweit bereits 190 Patienten erfolgreich implantiert. Dank des erfolgreichen Eingriffs in Florenz stellt das System jetzt die einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit bei Patienten mit Morbus Stargardt dar. In Deutschland wurde das Argus II-System bereits bei 30 Patienten mit degenerativen Netzhauterkrankungen implantiert. Die Kosten werden hierzulande bei einer fortgeschrittenen degenerativen Erkrankung der äußeren Netzhaut erstattet.

Als erste künstliche Netzhaut erhielt Argus II die CE-Kennzeichnung für den Vertrieb in Europa und ist auch die erste von der FDA für die USA und Kanada zugelassene Prothese ihrer Art. Die Behandlung wird derzeit für Patienten ab 25 Jahren mit schweren bis hochgradigen Erkrankungen der äußeren Netzhaut in zugelassenen Zentren in Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, den Niederlanden, Österreich, Saudi-Arabien, der Schweiz, Spanien, der Türkei, den USA und dem Vereinigten Königreich angeboten.
MorbusStargardt
Sehen bei Morbus Stargardt (c) Optelec
Symptome von Morbus Stargardt

    Blendempfindlichkeit
    wellenförmiges Sehen
    Flecken (zentrale Ausfälle)
    reduzierte zentrale Sehschärfe
    eingeschränkte Farbwahrnehmung
    reduziertes Kontrastsehen
    Probleme Gesichter zu erkennen
    Verlust der Lesefähigkeit

Morbus Stargardt ist eine Makuladystrophie (-degeneration), die zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr auftritt.  Die Symptome sind ähnlich der altersbedingten Makuladegeneration, es kommt zum fortschreitenden zentralen Sehverlust. Morbus Stargardt tritt insgesamt selten auf und wird autosomal rezessiv vererbt.
Über das Netzhautprothesensystem Argus® II

Das Argus II System von Second Sight erzeugt eine elektrische Stimulation, bei der die geschädigten Netzhautzellen umgangen und die verbliebenen funktionstüchtigen Zellen stimuliert werden; auf diese Weise wird bei Personen mit schwerer bis hochgradiger Retinitis pigmentosa eine visuelle Wahrnehmung hervorgerufen. Das Argus II System wandelt die von einer winzigen Videokamera in der Brille des Patienten aufgenommenen Bilder in eine Reihe kleiner elektrischer Impulse um, die drahtlos an ein Elektrodengitter gesendet werden, das auf der Oberfläche der Netzhaut implantiert ist. Diese Impulse sollen die verbliebenen Netzhautzellen stimulieren, so dass im Gehirn Lichtmuster wahrgenommen werden. Der Patient lernt diese visuellen Muster zu interpretieren und gewinnt dadurch eine funktionelle Sehkraft zurück. Das Argus II System ist die erste künstliche Netzhaut, die in vielen Ländern zugelassen wurde und an offiziellen Behandlungszentren in Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Saudi-Arabien, Spanien, der Schweiz, der Türkei, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika angewendet wird.
Über Second Sight

Second Sight Medical Products, Inc. wurde 1998 mit dem Ziel gegründet, eine Netzhautprothese zu entwickeln, die Patienten, die infolge einer äußeren Netzhautdegeneration, wie z. B. Retinitis pigmentosa, erblindet sind, eine Sehfähigkeit zurückzugeben. Second Sight sieht seine Aufgabe darin, innovative implantierbare Prothesen zu entwickeln, herzustellen und zu vertreiben, die blinden Personen eine größere Unabhängigkeit ermöglichen. Zurzeit werden klinische Studien durchgeführt, in denen die Sicherheit und Wirksamkeit von Argus II bei Patienten mit trockener altersbedingter Makuladegeneration (AMD) geprüft werden. Second Sight entwickelt auch die Sehrindenprothese Orion™ I zur Wiederherstellung einer gewissen Sehfähigkeit bei Personen, die aus anderen Gründen erblindet sind als denen, die zurzeit mittels Argus II oder anderer Therapien behandelbar sind. Der Hauptsitz von Second Sight in den USA befindet sich in Sylmar, Kalifornien, der europäische Hauptsitz in Lausanne, Schweiz.

Quelle: www.secondsight.com